Die Spur des Verbrechens führt in die Cotta-Aula
Einer der besten deutschen Autoren von politischen Kriminalromanen, Wolfgang Schorlau, hat am 29. Juni 2010 an der Cotta-Schule eine Kostprobe seines Könnens gegeben.

In einem spannenden Vortrag packt Schorlau über die Hintergründe und Geheimnisse seiner erfolgreichen Romane aus.In seinem jüngsten Fall „Das Münchenkomplott“ steht der blutigste Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik im Zentrum.Das Bundeskriminalamt bittet seinen früheren Zielfahnder Georg Dengler um Mithilfe: Er soll die Akten der damaligen Sonderkommission Theresienwiese über den Anschlag auf das Münchner Oktoberfest 1980 prüfen, 13 Tote und weit über 200 Schwerverletzte hatte es seinerzeit gegeben. Dengler denkt es sei ein leichter Auftrag, doch schon bald entdeckt er die ersten Widersprüche. Warum wurde in dem Abschlussbericht der Sonderkommission behauptet, es handele sich bei dem Attentäter um einen Einzelgänger, während glaubhafte Zeugenaussagen ihn unmittelbar vor der Tat mit weiteren Personen gesehen haben? Schorlau strickt um jene Geschehnisse des 26. Septembers eine spannende und glaubhafte Geschichte, die den Leser in Atem hält. So wie seine fünf Dengler-Fälle, wirkt auch der Autor selbst authentisch und von Zeit zu Zeit in sich gebrochen.

Sein Protagonist Dengler wohnt und arbeitet im Bohnenviertel über der bürgerlichen Weinstube Basta, auch ein kreativer Fluchtpunkt des in Stuttgart lebenden Autors, der Ex-Kommissar verguckt sich in die hübsche Taschendiebin Olga, die der Autor mit allen ihm erdenklichen positiven weiblichen Attributen ausgestattet hat, so „dass er ihr selbst manchmal beim Schreiben verfalle“. Fast schon eifersüchtig greift Schorlau ins Privatleben seiner Figuren ein, denn küssen dürfe der Ermittler seine Angebetete erst ganz zum Schluss, weil „der Spannungsbogen zum Glück in den Planungsbereich des Autors falle“, verriet Schorlau. Auch der verschrobene, nasenhaarige Horoskopschreiber Martin Klein, der sich bei einer Nasenhaarentfernung eine mächtige Brandblase zuzieht, die ihn seinerseits von weiblichen Kontakten abhält, regt zum weiteren Lesen ein, nicht nur, weil der Autor sein Handwerk versteht.

Überraschend erhielt Schorlau dann 2006 den Deutschen Krimipreis für „Dunkles Schweigen – Denglers zweiter Fall“, gegen alle Ratschläge seiner Kollegen, die ihn mahnten, eine private Schnüfflerfigur funktioniere im obrigkeitshörigen Deutschland nicht. Doch allen Unkenrufen zum Trotz ging Schorlau beharrlich seinen Weg und nun auch bis in die Cotta-Schule. Die Buchhändler (-innen) der Abschlussklasse organisierten unter der Leitung von Frau Pohl-Umlauf dieses Event, um so die praktische Seite ihres Berufes kennenzulernen, denn Planung und Durchführung von Autorenlesungen gehören für den Buchhändler fast schon zum Tagesgeschäft. Auch die Cotta-Schule profitiert von diesem Projekt, denn geplant sind weitere hochkarätige Lesungen, die im jährlichen Turnus stattfinden sollen. Eine tolle Sache, die auch beim Publikum gut ankam, trotz wüstenartigen Temperaturen feierte die bis auf den letzten Platz gefüllte Aula den Autor und die Organisatoren mit begeistertem Beifall. Zu hoffen bleibt, dass wir bald wieder mit so einem spannenden Vortrag rechnen dürfen.
(F.R.)

